Roland Blanke im Handbike im unebenen Gelände

„Der Tag ist für mich viel zu kurz“

Roland Blanke ist Referent, Trainer, Fachberater, Leistungssportler und noch viel mehr. Der ehemalige Kampfsportler lässt sich auch im Rollstuhl nicht unterkriegen. Egal, womit sich der sympathische Offenburger gerade beschäftigt – seine Begeisterung ist mitreißend und hat schon so manchen aus einem seelischen Tief geholt. Seine Markenzeichen ist das Handbike. Und damit kennt er sich wirklich gut aus.

Herr Blanke, schon vielen sind Sie bei Ihren Handbike-Touren durch die Ortenau begegnet und Ihre sportlichen Leistungen als Handbiker sind bekannt. Sie und das Handbike scheinen unzertrennlich. Wie kam es zu dieser Leidenschaft?

Früher war ich in der Biker-Szene. Geschwindigkeit fasziniert mich. Der Rollstuhl war mir zu langsam! Eines Tages hab ich mir das erste Handbike gekauft und umgebaut. Andere Übersetzung, dickere Reifen. Ich bin gelernter Maschinenschlosser. Auch meine Autos werden immer umgebaut, und früher die Motorräder. Ich mag nichts von der Stange! Auf einer großen Reha-Messe habe ich dann Mountainbikes entdeckt. Das ist meine Welt! Ich wollte ja wieder hoch hinaus. Endlich konnte ich das! Ich bin oft allein unterwegs, und schnell. Ich fahre schon mal 70, 80 km, mein schnellstes Tempo war über 100! Ich bin auch schon mit dem Mountainbike gestürzt und lag drunter. Einmal haben mir Wanderer geholfen. Ein anderes Mal war ich allein. Das hat dann über eine Stunde gedauert, bis ich wieder weiterfahren konnte. Reparaturzeug hab ich immer dabei. Und eine Decke, falls ich mal übernachten muss. Das ist aber noch nicht passiert.

Kein Platz den man mit einem Handbike nicht erreichen kann...

Ihre Expertise bringen Sie auch als Fachberater beim Sanitätsfachhandel Erk & Müller im Ortenau-Kreis ein. Wie können interessierte Kunden, herausfinden, ob Handbiken für sie das Richtige ist?

Ganz einfach: Ich nehm sie mit auf eine Tour! Das bieten andere Häuser nicht. Wir haben dafür extra ein individuell einstellbares Rennrad bauen lassen. Die Kunden sollen einen schönen Tag haben. Sie müssen nichts kaufen. Aber alle, die mit mir unterwegs waren, haben sich später ein Rad gekauft! Unsere Preise sind relativ günstig, weil wir keine Verkaufsräume haben. Die Reparaturen führe ich in meiner Werkstatt durch. Ich plane auch Touren mit Leihbikes für Leute, die sich momentan kein Fahrrad leisten können. Dass die das auch mal erleben können. Die Kunden bekommen so viel Lebensqualität zurück, die sie schon verloren geglaubt haben. Ich habe schon Männer weinend neben mir sitzen gehabt.

 

 

 

 

 

 

 

 

Und woran erkennt man ein gutes Handbike?

Ob Handbike oder Rollstuhl – ich empfehle nichts, das ich nicht selbst getestet habe! Aber das Gerät ist es nicht allein. Ein Handbike muss individuell angepasst werden, genau wie ein Rollstuhl, so dass es ein ganz persönliches Exemplar wird. Manche Räder sind universal anpassbar, so dass sie immer wieder auf neue Benutzer eingestellt werden können. So kann auch ein gebrauchtes Gerät perfekt angepasst werden. Aber das geht zulasten von Gewicht und Stabilität. Auch individuell angefertigte Handbikes lassen sich nachträglich noch in gewissem Maß verändern. Schon ein normales Handbike kostet neu immerhin 7- bis 10000 Euro, ein individuell gebautes Rennrad für den Leistungssport 10000 € aufwärts, die neuen Carbonräder 17- bis 18000 €! Ich verkaufe meine Bikes günstig an Leute weiter, die nicht so viel Geld haben. Das Problem ist immer das Geld. Wir beraten auch im Umgang mit den Behörden und zeigen den Kunden alle Unterstützungsmöglichkeiten auf, die ihnen zustehen. Das ist auch eine Frage der Menschenwürde.

Als Referent beim Badischen Behinderten- und Rehabilitationssportverbands e.V. BBS besuchen Sie auch Schulen. Was genau machen Sie da?

Das Projekt „Behindertensport macht Schule“, das vom baden-württembergischen Ministeriums für Kultus, Jugend und Sport unterstützt wird, soll Kindern die Möglichkeiten des Behindertensports zeigen und Berührungsängste abbauen. Ich zeige den Kindern, wie man einen Rollstuhl benutzt und dann spielen wir Rollstuhlbasketball! Die Kinder können sich meist erstaunlich gut auf die Situation einlassen. Diese Initiative hat Effekt: Die Schüler merken, dass Rollstuhlfahrer ganz normale Leute sind. Wenn die Kinder mich später wieder sehen, grüßen sie mich freudig und stellen mich ihren Eltern als den coolen Roland vor! Außerdem gehen wir vom BBS auch in die Sportvereine: Im Rahmen unserer Inklusionsoffensive zeigen wir ganz praktisch, wie Sport mit Behinderung funktioniert. Das wird sehr gut angenommen!

 

Sie besuchen auch frisch Verunfallte im Krankenhaus, die plötzlich mit einer Behinderung konfrontiert sind. Das ist bestimmt keine leichte Aufgabe.

Aber eine wichtige. Viele kann ich rausholen aus dem Loch, in das jeder erst mal fällt. Aber nicht alle. Ich versuche zu vermitteln, was mich selber vorwärtsbringt. Mir hilft es, darüber nachzudenken, wie schön das Leben ist. Dann werde ich glücklich. Bloß nicht dem hinterhertrauern, was man nicht mehr kann! Ich frage mich: Was kann ich noch alles machen? Und das mache ich dann richtig! Ich hab gar nicht genug Zeit für alles, was ich machen will, der Tag ist für mich viel zu kurz! Ich arbeite auch mit geistig Behinderten, im Rahmen einer Kooperation der Lebenshilfe mit der Behindertensportgruppe BSG Offenburg, wo ich ehrenamtlicher Fachübungsleiter für Reha-Sport bin. Erst habe ich gezweifelt, ob ich das kann. Ich bin einer der Trainer für das Fahrradteam der Special Olympics. Geistig behinderte Menschen sind sehr ehrlich. Sie zeigen Abneigung direkt und Zuneigung auch, wollen dich drücken. Damit musste ich erst lernen umzugehen. Aber jetzt macht es sehr viel Spaß!

Das Interview führte Barbara E. Euler exklusiv für YouLife.Rocks  

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